Eigentlich fing es damit an, dass ich wissen wollte, ob auf dem liegenden Herz vor dem Ehebrunnen am Rolltreppenaufgang der U-Bahn Station Weißer Turm das ganze Gedicht von Hans Sachs über die Ehe draufsteht ...
Terrier wie ich bin, hat sich dann das Ganze ausgeweitet: Ich beschäftigte mich mit der Entstehungsgeschichte des Brunnens und bestellte die noch antiquarisch vorliegende Veröffentlichung des Machers Jürgen Weber (Bildhauer 1928 - 2007)
Schließlich hatte ich dann zwei Eintrage in meinem Blog Spuren über das Ehekarussell fertig.
Als das Wasser am 1.Juli 1984 aufgedreht wurde, hatte der Hans-Sachs-Brunnen schon einiges hinter sich. Ursprünglich sollte ja nur ein Lüftungsschacht überdeckt werden, doch die Arbeit des Braunschweiger Professors Jürgen Weber spaltete Politik und Bevölkerung. Sogar ein Baustopp wurde verhängt.
Zu teuer fanden die einen das Kunstwerk, das über zwei Millionen D-Mark kostete. Andere hielten es für zu groß, zu ordinär. Der NN-Kritiker urteilte vernichtend. „Ein solches Ausmaß an Disproportion von materieller und handwerklicher Investition auf der einen und geistigem Gewicht des Bildgegenstandes auf der anderen Seite dürfte es in der Kunst diese Jahrzehnts nicht noch einmal geben, zumindest nicht in Deutschland.“
Und was hielten die Nürnberger davon? „Schee is des net. Is halt ä Kunstwerk“, hatte damals eine Passantin gemeint, und ein anderer hat gesagt: „Ich glaube, der schaut nicht mehr lange so aus, außer er wird rund um die Uhr bewacht.“
Heute immer noch Fotomotiv und Videoerinnerung (hier wenigstens als Brunnen in Betrieb)
Es gibt in Nürnberg aber noch mehr Gelegenheiten neuere Kunst im öffentlichen Raum zu begehen .
In der Veröffentlichung des Professors aus dem Jahr 1985 setzt er sich mit seinen Kritikern auseinander und fährt wiederum schwere Geschütze gegen moderne öffentliche Kunst auf: All die Künstler heute, die sich mit Kuben, Quadraten und Rastern dieser Schwierigkeit (er meint Bilder- und Themenfindung), entziehen sich einer ganz wesentlichen künstlerischen Aufgabe: Für unser Leben Bilder zu finden und nicht nur interessante oder meistens uninteressante Strukturen oder Materialanreize. Wieviel Künstler wurden abstrakt, weil ihnen thematisch nichts einfiel?
Obwohl von ihm nicht erwähnt , hatte er bestimmt auch das Symposium Urbanum im Auge, das 1971 in Nürnberg veranstaltet wurde. Darüber gibt es in meinen Spuren auch einen Artikel.
In dem Wiki Artikel über Weber kann man nachlesen welche Konflikte und Strömungen es während seiner Zeit als Professor an der TU Braunschweig gab . U.a. Weber machte sich mit seinen Veröffentlichungen, Interviews, Aufsätzen und Vorlesungen vernehmbar zur Gegenstimme und besetzte die Gegenposition zum, von ihm so bezeichneten, Kunstbetrieb.
Er erntete von Vertretern nichtfigürlicher Kunstauffassungen massiven Widerspruch, der vereinzelt auch diffamierend und persönlich war. Aus Kreisen seiner Widersacher gab es offenen Widerstand gegen die Aufstellung seiner Bildwerke und dann sogar auch gegen die angemessene Einbindung in den öffentlichen Straßenraum
"Kunst kommt von Können , nicht von Wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen." (Karl Valentin)











