Habe nun die Essays von Gary Snyder ganz gelesen.
Sie handeln vom Leben mit und in der Natur ebenso wie von Naturmythen und »heiligen Orten« in verschiedenen Religionen. Snyder untersucht Entstehung und Bedeutung alter Wanderwege und Fußpfade, erzählt vom Hausbau in den Wäldern und von spirituellen Ausrichtungen fremder Kulturen. Er veranschaulicht globale biologische Entwicklungen und preist die kulturelle Praxis des Gehens. Snyders Essays, selbst blühende, lebendige Wildnis, sind Erfahrungsbericht und philosophische Reflexion, bieten Anleitungen zum richtigen Leben und liefern Anregungen zum Nachdenken über Lebensgewohnheiten und das eigene Verhältnis zur Natur.In seinen Essays nun beobachtet Synder das Wilde, um „dann darüber Geschichten zu erzählen“. Gut gelaunt pflückt er dabei die Worte und Bedeutungen auseinander, als wären sie Grünpflanzen. Er ist erst zufrieden, wenn er die Sanskrit-Wurzel ausgegraben hat, auf ihr herumkaut und schmeckt, woher der Begriff Kultur kommt. Mit vollem Mund führt er uns über Landschaftsbeschreibungen zum Kern der Sache: Wir gehören in die Wildnis!
„Lektionen“ ist eine nicht ganz korrekte Übersetzung des Originaltitels „Practice of the Wild“. Snyder will durch die Praxis lernen und bewusst dabei sein, im Einklang. Eine der vielleicht schönsten Stellen ist eine seiner buddhistischen Reflexionen über das Nicht-Aufgeben, über das Eindringen in die Tiefe des Seins, wo die Wildnis wieder aufblühen wird: „Verschaffe dir Kontrolle über deine eigene Zeit; bewältige die 24 Stunden. Mach es gut, ohne Selbstmitleid.“ (https://www.deutschlandfunkkultur.de/raus-aus-der-ordnung-100.html)Gary Snyders „Lektionen der Wildnis" münden in die Verteidigung einer besonderen Form des Besitzes: der Allmende. Den Gemeinschaftsbesitz kleiner, ländlicher Kommunen hält der Autor für den einzigen wirksamen Widerstandsraum gegen die Zerstörung der Natur durch kapitalistisches Wirtschaften.









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