Das war THEATER !!!

Gestern war ich mit Kim im Schauspielhaus Nürnberg. (Geburtstagsgeschenk) Und wir sahen ein furioses Stück in der Wiederaufnahme : Orbit - die Geschichte einer Band . Wir waren begeistert und ich werde es nochmal ansehen, denn das war Theater !!!Es hat ALLES gepasst: Die Geschichte,die hervorragenden Darsteller mit ihrem Musikhandwerk, die Bühne und das volle Theater mit einem Publikum, das mitging !!! Hier die digitale Stückeinführung . 


Der Inhalt wird sehr gut wiedergegeben in einer Kritik zur Uraufführung 2023. Hier in ganzer Länge:

Orbit - Staatstheater Nürnberg

Wo Freddie Mercury alles geklaut hat

In den 1970er und 80er Jahren galt die Band Orbit als größter Geheimtipp der fränkischen Rockszene. So enorm geheim, dass heute niemand mehr von ihr weiß. In Nürnberg haben Philipp Löhle, Christian Brey und Thomas Esser nun tief in Schallplattenkisten gekramt und dabei eine im Wortsinn fantastische Story zu Tage gefördert.

Von Wolfgang Reitzammer

  1. Mai 2023. Es gab mal ein deutsches Dokumentartheater, Rolf Hochhuth und Peter Weiss waren seine Propheten. Doch im postmodernen und postfaktischen 21. Jahrhundert erfreut man sich eher am Genre des Mockumentary, jenem Hybrid aus Dichtung und Wahrheit, das den Gutgläubigen in die Irre schickt und bei dem Skeptiker ein wissendes Lächeln hervorlockt.

In diesem Sinne hat Philipp Löhle, Hausautor des Staatstheaters Nürnberg, zusammen mit Regisseur Christian Brey und dem Musiker Thomas Esser ein "Recherche"-Projekt angestoßen, das über die Jahre 1972 bis 1985 die obskure Karriere einer vergessenen Rockband namens ORBIT aufdeckt und mit ein paar Stationen Kulturgeschichte in der Region Nürnberg vermengt. Doch auch ohne Spoiler-Verdacht darf man schon vorher sagen: es ist fast alles erstunken und erlogen, jedoch getreu dem Motto "Wenn wir es so erzählen, dann war es so!".

Fränkische Billie Jean

1972 treffen sich also fünf ambitionierte Kulturschaffende, denen ein gewisser Herr Gustl eine Garage als Proberaum und seine Kneipe als Live-Bühne anbietet. In schönster Punk-Tradition streiten sie erst einmal, wer eigentlich welches Instrument spielen soll, dann wird über mehrere Tage diskutiert, wie die Band heißen soll. Weil die Vornamen der Musikanten Ottmar, Rolf, Bucki, Isi und Thomas lauten, kommt man auf die geniale Idee "Orbit", verliert aber den entnervten Sponsor Gustl. Gut, dass es zu dieser Zeit den überregional bekannten Kulturreferenten Hermann Glaser in Nürnberg gab, der sein Projekt der Sozio-Kultur verfolgte und der Band einen Probenraum im ebenfalls überregional bekannten Kommunikationszentrum (genannt "Komm") vermittelte.

Dort nisten sich Orbit häuslich ein und wollen ihr weiteres Leben nur noch der eigenen Musik widmen – bestärkt durch ein allseitiges Gelübde gegen dreckige Ohren. Es wird in der selbst gewählter Klausur viel geredet, die fünf Akteure wirken in stimmigen Klamotten und Perücken der 1970er und 80er Jahre wie wandelnde Flokati-Teppiche (Kostüme: Anette Hachmann). Das musikalische Equipment wird langsam aufgerüstet, ein vollständiges Schlagzeug fährt aus dem Bühnenboden, Keyboarder Ottmar bekommt noch eine zweite Orgel mit Blechrahmen und Isi, die Frau im Quintett, stellt sich hinter ein modernes DJ-Mischpult. Dass man auch im Gefängnis (Massenverhaftungen 1981!) gute Musik machen kann, demonstriert Drummer Rolf, der die Sticks zu Fenstergittern formt und dann "I've Been Looking For Freedom" intoniert.

So entstehen zahlreiche Eigenkompositionen, die textlich und harmonisch einen regional-fränkischen Charakter aufweisen, aber verdammt nach Hits dieser Zeit klingen ("Daddy Cool", "Money, Money, Money", "In The Air Tonight", "Billie Jean"...).

Beim Griechen mit Bob Dylan

Schuld daran ist der schleimige Manager Hasso Krüger, der die Orbit-Songs mit dem Tonband aufnimmt und dann weltweit an bekannte Rockbands weiterverkauft. Immerhin schafft er es, die Songwriter-Ikone Bob Dylan vor dessen Auftritt auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände (1978) zu den eingeschlossenen Musikern zu lotsen und ihnen ein Angebot als Vorband zu übermitteln. Doch die deutsche Kultur des Diskurses und des Selbstzweifels führt zu spontaner Auftrittsphobie vor 80 000 Menschen, lieber geht man gemeinsam zum Griechen!

Das Ende der Orbit-Geschichte wird durch einen Zufall eingeläutet: Die fesche Biggi schaut sich via Fernsehen das Live-Aid-Konzert im Wembley Stadium (1985) an und muss feststellen, dass Freddie Mercury von Queen den Song "Bohemian Rhapsody" vorträgt, den einige Jahre zuvor Sänger Bucki mit der Band erarbeitet hatte. Manager Krüger flüchtet, er setzt sein Auto und alle darin lagernden Tonbänder in Flammen – Orbit ist damit aus der Musik-Geschichte getilgt.

Comeback als Avatar-Show

Zum Glück bietet der Theaterabend noch einen fulminanten Epilog: Krüger, der mittlerweile unter dem Namen Pius Maria Cüppers als Kammerschauspieler am Nürnberger Staatstheater arbeitet, organisiert eine Hologram-Avatar-Show der Band Orbit, bei der fünf KI-Klone noch einmal ein deftiges Rock-Programm abziehen, bevor sie mit "Major Tom" und einer Raumkapsel ins Weltall abdüsen.

Die höchst unterhaltsame Rock-Show lebt vom inszenatorischen Tempo des Regisseurs Christian Brey, von Löhles skurrilem Wortwitz und von den perfekt musizierenden Schauspielern: Nicolas Frederic Djuren (voc, g), Justus Pfankuch (keyb, g, voc), Sascha Tuxhorn (b, voc), Amadeus Köhli (dr, g, voc) und Pola Jane O’Mara (voc). Ein grandioses und komödiantisch ausgefeiltes Nebenrollen-Potpourri arbeitet Thorsten Danner ab.

Die Bühne ist ein Proberaum mit ein paar Flight-Cases, viel Trockeneis-Nebel und präzisen Licht-Effekten. Bei mehreren Video-Interviews haben Bürgermeisterin Julia Lehner, "Ihre Kinder"-Veteran Ernst Schultz, Schauspieldirektor Jan Philipp Gloger und mehrere Schauspiel-Kollegen das doppelbödige Spiel mitgemacht. Das Premieren-Publikum war begeistert, feierte das Ensemble mit Standing Ovations und bekam als Zugabe noch ein originelles "Take On Me" mit Casio-Orchester im Sitzkreis: einer von vielen Aha-Effekten. "Orbit" hat auf jeden Fall das Potenzial für einen Kassenknüller!

Und die Wiederaufnahme hat nichts von Abnutzungserscheinungen. Fulminant !!! Eine Art Comedia déll Arte in modernen Gewand mit viel Spielfreude ....

der Hasso mit Dylan

Die Band

atmosphärisch

Körperliche Darstellung der Diskussionen im Komm

Das Casio Orchester - Super


der Gustl -- ein Sprachphänomen

STOP THE WAR

Ein verzweifelter Aufruf aus der Wärme ... (Nachtrag heute Do: 11kM Podcast)

Stalin hat in der Ukraine einen Hungerkrieg geführt. Putin führt gegen die Zivilbevölkerung seinen Kältekrieg.

(

In einer Karte kann man verfolgen welche Angriffe täglich geführt werden ... Und das seit fast 4 Jahren ( eine Materialschlacht, die an den Stellungskrieg im I.Worldwar erinnert -- nur mit vielfacher Verschleuderung von (eigentlich wertvollen) Ressourcen. Von den menschlichen Schicksalen abgesehen ... Die Zahl sagt zu wenig ...

hier eine Zusammenfassung

Am Anfang des Krieges hab ich noch Collagen gemacht:



Jetzt bin ich nur noch oft schlaflos ... Hilft niemanden ....

Die amerikanische Mischpoke

 Momentan höre ich die Podcastreihe vom Deutschlandfunk : Die Peter Thiel Story . Sehr aufschlussreich, weil es in der Entwicklung schon 30 Jahre zurückgeht! Peter Thiel ist der Strippenzieher hinter dem kulturellen Rechtsruck in den USA und einer der wichtigsten Unterstützer von Donald Trump. Mit Paypal und Facebook ist er reich geworden. Das ist die Geschichte des geheimnisvollen Tech-Milliardärs.


Dort wird eine Frau erwähnt, die mit vielgelesenen philosophischen Romanen den Traum vom Aufstieg der Tüchtigen befeuerte : Ayn Rand (mir bis heute völlig unbekannt - lebte von 1905 - 1982 - Auflage 30 Millionen)

Näheres bei Radiowissen (2024) / deutschlandfunk kultur (2022) / Die Zeit Schweizer Monat ....

Guter Artikel bei Infosperber von 2018 (1.Amtszeit Trump) : Ayn Rand zu lesen, macht keinen Spass. Im Gegenteil. Es erstaunt, um nicht zu sagen, erschreckt einen – zumindest einen Europäer – zu lesen, was ein menschliches Wesen, eine Frau, imstande ist zu schreiben – und damit einen Riesenerfolg zu haben: Ethisch ist, wer nur seine eigenen Interessen vertritt. Wer die Interessen anderer vertritt, handelt unethisch. Nur Egoismus schafft Freiheit und Gerechtigkeit. Die USA sind das edelste Land der Menschheitsgeschichte, weil sie das Eigeninteresse zum einzig richtigen moralischen Prinzip erhoben haben. Usw. usw.

Und doch muss Ayn Rand zur Kenntnis genommen werden. Als Warnung. Ihre Botschaft wirkt nach, ist präsent, ist eine der Wurzeln des US-amerikanischen Denkens und Fühlens: Nur der Egoist ist ehrlich, nur das Eigeninteresse zählt, nur der Selfmademan, der, mit welchen Methoden auch immer, zum Milliardär geworden ist, ist ein wahrer Held. – Wir müssen, gerade auch in Europa, zur Kenntnis nehmen, was da noch auf uns zukommen kann. Der überhandnehmende Neoliberalismus ist nur der Vorbote. Und Donald Trumps bisherige Finanz-Entscheide zugunsten der Reichen und Superreichen bestätigen den Trend.
Und das Jahr 2025 hat die weitere Entwicklung gezeigt !!

Aktuell gibt es in der Mediathek eine Reihe über die Vordenker der Tech-Größen. Mit dabei eben Ayn Rand
Seit 2023 gibt es in Deutschland eine Ayn Rand Gesellschaft ..... Für die Leistungsträger 


Der Menschenmaler

 Gestern mit der Bahn nach Aschaffenburg (Hinfahrt sehr angenehm leer / Rückfahrt beengter). Ziel war diesmal die Ausstellung " Johannes Grützke der Menschenmaler". Schon der Ausstellungsort - die ehemalige Jesuitenkirche - ist interessant.

Grützke ist 2017 mit 79 verstorben , hatte an der Kunstakademie Nürnberg eine Professur ( Axel Gerke hat bei ihm studiert) , besaß aber sein Atelier immer in Berlin. Ich hab mir einen Audioguide ausgeliehen, was mir dann sehr half einige verschlüsselte, vermutete Aussagen der meist großformatigen Gemälde zu entdecken ...

Selbstbildnisse

der Vortrag

Menschen und Würste
Wenn Grützke noch leben würde hätte er vielleicht den Söder auch mit einbezogen ...

Ausgestellt sind auch Linolschnitte mit den zugehörigen Druckplatten zum Thema Einzug der Abgeordneten in die Paulskirche 1848 . Für diesen Ort hatte er ja zur Wende den Auftrag für ein riesiges Bild in der Wandelhalle erhalten

Foyer Paulskirche

Ausschnitt mit Linoldrucken in der Ausstellung

Ein Videoausschnitt in einem kleinen Nebenraum zeigt seine ironische Ader ... In einem kleinen Abteil waren auch Schülerarbeiten als Ergebnis der kunstpädagogischen Angebote zu sehen. Haben mir sehr gefallen ....
 
Andere Bilder von ihm kann man noch hier ansehen ....

Zum Abschluss war ich noch Essen im Schlappeseppel gleich ums Eck rum ...

ein Hammerbuch

 Hab ich geschenkt bekommen und jetzt fertig gelesen: Alle, außer mir


Hammer 1: 600 Seiten mit einer irren Geschichte. Francesca Melandri schickt in „Alle, außer mir“ ihre Hauptfigur auf die Suche nach der tabuisierten Vergangenheit ihres Vaters. Die 45-jährige Lehrerin Ilaria Profeti, engagiert, linksliberal, überzeugte Anti-Berlusconianerin und immer auf der richtigen Seite, findet im Sommer 2010 einen jungen Schwarzafrikaner vor ihrer Haustür, der behauptet, der Enkel ihres Vaters Attilio zu sein – ihr Neffe also. Attilio Profeti, hochbetagt und von Demenz gezeichnet, hatte immer so getan, als sei er im Widerstand gewesen.

Ilaria beginnt zu recherchieren und stellt fest, dass sie ihren Vater nicht kennt: Als Teilnehmer des äthiopischen Krieges und Wissenschaftler der Rassenkunde hatte er aus seinen Verstrickungen später Kapital für eine glänzende Karriere geschlagen. Um ihrem umfangreichen Roman einen Rhythmus zu geben, wechselt Melandri die Erzählperspektiven, führt mehrere Zeitebenen ein und entfaltet die Geschehnisse mal aus der Perspektive Ilarias, dann aus der des jungen Attilio, schließlich aus dem Blickwinkel von dessen Vater Ernani, einem Eisenbahner und etlichen anderen. Auch Attilios äthiopische Frau Abeba kommt zum Zuge.


Hammer 2: 1935/36 eroberte das faschistische Italien völkerrechtswidrig das ostafrikanische Kaiserreich Abessinien. (Ein mir noch unbekanntes Detail der Geschichte. Auch mit Mussolini hab ich mich noch nicht so beschäftigt ...) Dabei setzten die Angreifer Senfgas ein. Der Roman „Alle, außer mir“ reicht von den Grausamkeiten dieses Krieges bis in unsere Zeit. Der 1915 geborene Italiener Attilio Profeti, der 1935 zu den Invasoren gehörte, stirbt 2012. In den letzten Jahren konnte er sich wegen seiner Demenz an nichts mehr erinnern, und seine 45-jährige Tochter Ilaria, eine Lehrerin in Rom, findet erst nach und nach heraus, dass er ein Faschist gewesen war und in Äthiopien einen Sohn gezeugt hatte.

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Melandri-alle-ausser-mir.htm (c) Dieter Wunderlich

Kaiserreich Abessinien hier.
Italienischer Faschismus hier.
Mangelnde Aufarbeitung in Italien hier.
Interview mit der Autorin hier.


Dieser lange Roman hat auch seine Schwächen:  Manchmal hätte die Schriftstellerin vielleicht mehr auf die Wucht ihres Stoffes vertrauen können. Dass sie die Vorgeschichte von Mussolinis Marsch auf Rom aufarbeiten will und bis in die Verästelungen von Attilios Herkunftsfamilie zurückgeht, ist ehrenwert, lenkt aber von der Brisanz ihrer Grundidee ab. Die detailreich geschilderten Biographien des Vaters Ernani und der Mutter Viola sind ermüdend und verwässern die Schärfe der vorangegangenen Kapitel. Auch die Geschicke des Bruders Otello führen eher auf Nebenpfade. Manchmal kleistert Melandri ihre Figuren mit allgemeinen Psychologisierungen zu: Viola, vom Tod ihres ersten Verlobten gezeichnet, behandelt Mann und Erstgeborenen schnöde und projiziert ihren Narzissmus auf den Zweitgeborenen. Oder Marella, Attilios erste Ehefrau, mutterlos aufgewachsen, entwickelt aus übermäßiger Bedürftigkeit eine Beziehungsstörung. Das ist dann von allem zu viel: Der Spannungsbogen fällt ab, die Konstruktion gerät ins Wanken, die Handlung wird zäh und die auktoriale Erzählerstimme behäbig. Hier hätte man sich eine größere erzählerische Ökonomie gewünscht und ein reduzierteres Personal.

Trotzdem ein Hammerbuch ! Der Titel bezieht sich übrigens  auf Attilio Profetis Motto „alle, außer mir“: Der Opportunist ist überzeugt, dass immer nur andere vom Unglück betroffen sein würden.

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Melandri-alle-ausser-mir.htm (c) Dieter Wunderlich

Draußen: 2 Gaststätten

 Empfohlen wird: Gaststätte Reif in Käswasser bei Kalchreuth 

Reservierung ist angebracht ...

neuer Wintergarten

und Kuhlmann im Aurachgrund  (am Wochenende reservieren !)

Lovis Corinth

 Gestern mit der Bahn nach Regensburg zum Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Dort gab es die letzten Tage der Ausstellung Lovis Corinth - Bildrausch. Interessant war, dass Ausschnitte aus seinen Skizzenbüchern den darauf entstehenden Gemälden zugeordnet und erklärt waren. Man bezeichnet Corinth als Impressionisten. Habe da meine Zweifel - vielleicht von der Malweise her ?

Der Katalog hätte sich vielleicht gelohnt, aber ich habe zu Hause momentan wenig Platz. Seltsam ist ja der Begriff Ostdeutsch im Namen des Museums. Hier die Erklärung ...

Zum 100. Jahrestags des Todes von Corinth hier ein Kalenderblatt. Das Städelmuseum Frankfurt hat über ihn eine digitale Sammlung ... Der Mann scheint öfter von Depression geplagt worden zu sein, war aber bestimmt auch sinnenfroh. Dieses durchkomponierte Gemälde sei der Beweis:

Gedanken zum Jahreswechsel

 Dreifach ist der Schritt der Zeit,

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.

Schiller / Spruch des Konfuzius

Vor 25 Jahren entwickelte ich die Wanderausstellung Energie-Erlebnis-Pfad. Zeitaufwendig, aber im Ergebnis anerkannt . Mit dem Geld für den Umweltpreis der Stadt Fürth hab ich mal ein gutes Sofa gekauft, das es heute noch gibt ....


Vor ca. 20 Jahren hatte ich meinen Dienstunfall. Mit zunehmenden Alter macht mir das vermehrt Beschwerden (Trümmerbruch linkes Handgelenk / Sehnenverkürzung rechter Ellenbogen)


Damals schon hatte ich Mühe unseren großen Garten und das gemietete Haus zu bewirtschaften.


Wir siedelten dann vor 15 Jahren in unsere 3-Zimmer Wohnung der Genossenschaft um. Einziges Manko: Kein separates Clo .... Das Haus wurde bald isoliert und die Felder im Westen sind noch nicht bebaut. So ist mir der Blick in die Abendhimmel ermöglicht ...


2012 ging ich dann ein halbes Jahr vor dem offiziellen Termin mit minimalen Abzügen in den Ruhestand.

Die Kinder waren schon lange aus dem Haus und ich konnte ausgiebige Wanderungen und Radtouren in Franken und der Oberpfalz unternehmen. So entdeckte ich dann auch:


Die Recherchen zu diesem Grab führten letzten Endes 2015 zu einem üblen Neonazi-Anschlag mit toter zerfetzter Ratte im Briefkasten und Hauseingang nebst Wandmalereien.


Ich glaube ja, dass dieses Ereignis meine ,sich danach entwickelte chronische Darmentzündung getriggert hat. Jedenfalls hab ich das jetzt schon 10 Jahre und die jetzige Behandlung in der Uniklinik durch regelmäßige Infusionen mit monoklonalen Antikörpern ist noch erfolgreich.

So weit - So gut 

Dass ich die momentane Zeitenwende im globalen Gefüge mit weiter eskalierender Gewalt und Auf- und Umrüstung noch miterleben muss, trübt die Stimmung schon gehörig ein. 

Dazu habe ich heute früh eine interessante Sendung im Podcast gehört: 

Inhalt:Das Jahr 1525 steht für eine Zeitenwende:
Der Kapitalismus erstarkt, der Kaiser von China verbrennt seine Hochseeflotte, in Europa wütet der Bauernkrieg. Ein Jahr, das unser Leben bis heute prägt.
Rund um das Jahr 1525 verändert sich die Welt: Das Aztekenreich fällt, die Bauernkriege enden und ein neues Denken beginnt. In der Renaissance zählt Wissen mehr als Glaube: Damals begann eine Fortschrittserzählung, die heute immer mehr Risse bekommt.


Musikschule Fürth

 Gestern beim Dozentenkonzert zum Jazz-Workshop in der Musikschule Fürth.

Angenehme Atmosphäre, alkoholfreies Neumarkter für 2 € und ein wenig Nüssli zum Knappern. Zwei Musiker mussten kurzfristig wg. Krankheit ersetzt werden - leider hab ich keine Namen - der Bass war sehr gut und die Trompete auch ... Die anderen:  Klavier Dieter Köhnlein, Saxophon Tobias Schöpker, Guitarre Peter Pelzner und Schlagzeug Yogo Pausch waren auch im Zusammenspiel eine Klasse für sich. Nicht überzeugt hat mich die Sängerin. Für mich nicht jazzig genug - bis auf ein Stück ...

Jedenfalls werd ich jetzt mal wieder öfter auf Veranstaltungen der Musikschule gehen. Vielleicht gleich morgen ....

neuer Wittstock

 Uschi hat mir dieses Buch zum Lesen dagelassen:

Schon mit der Lektüre von Illies hab ich mich mit dem Thema Flucht vor den Nazis beschäftigt. Jetzt ist Uwe Wittstock das Ganze etwas anders angegangen: 

Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Es ist das dramatischste Jahr der deutschen Literaturgeschichte. In Nizza lauscht Heinrich Mann bei Bombenalarm den Nachrichten von Radio London. Anna Seghers flieht mit ihren Kindern zu Fuß aus Paris. Lion Feuchtwanger sitzt in einem französischen Internierungslager gefangen, während die SS-Einheiten näher rücken. Sie alle geraten schließlich nach Marseille, um von dort einen Weg in die Freiheit zu suchen. Hier übergibt Walter Benjamin seinen letzten Essay an Hannah Arendt, bevor er zur Flucht über die Pyrenäen aufbricht. Hier kreuzen sich die Wege zahlreicher deutscher und österreichischer Schriftsteller, Intellektueller, Künstler. Und hier riskieren Varian Fry und seine Mitstreiter Leib und Leben, um die Verfolgten außer Landes zu schmuggeln.

Wittstock entwickelt am Anfang mehrere, zeitlich parallele Erzählstränge aus unterschiedlichen Orten. Da ist der aristokratische Lion Feuchtwanger mit seiner Frau, die umtriebige Grande Dame Alma Mahler-Werfel mit ihrem manchmal unpraktischen Ehemann Franz Werfel, der eher kränkliche Heinrich Mann mit seiner peinlichen Frau Nelly, der agile tschechische Staatsbürger Golo Mann, der unbedingt gegen Hitler kämpfen möchte und daher sein Refugium in der Schweiz aufgibt, um in einer wahren Odyssee durch Frankreich zu stolpern (inklusive Lageraufenthalt). Es gibt den »rührend unbeholfene[n]« Walter Benjamin, der seine Tasche mit Manuskripten für wertvoller erachtet als sein Leben und zwischenzeitlich mit Hannah Arendt in Lourdes Schach spielt. Man bekommt Einblicke auf den labilen Walter Mehring und seiner stabileren Freundin, der Schauspielerin und Literaturagentin Hertha Pauli. Da ist das Kommunistenehepaar Fittko, der kraft- und mutlose Ernst Weiß, der sich aus Verzweiflung umbringen wird und eine resolute Anna Seghers, mit ihren Kindern hin- und herirrend zwischen Paris, der französischen Provinz und Marseille. Später kommen die Schicksale von Max Ernst, André Breton, Alfred Kantorowicz noch dazu. Man lernt die die junge Erbin und Lebedame Mary Jayne Gold kennen, die als Geldgeberin nicht unwichtig werden wird wie auch Peggy Guggenheim. Letztere nutzt zunächst einmal die Gunst der Stunde: Der scheinbar unaufhaltsame Vormarsch der Nazis auf Paris veranlasst etliche Künstler so schnell wie möglich zu fliehen. Guggenheim fährt mit gut gefüllter Geldbörse die Ateliers ab und kauft auf diese Weise binnen kurzer Zeit »großartige Werke zu Spottpreisen«. Dass sie selber Jüdin ist und mit den im Laufe der Zeit immer restriktiveren Gesetzen Probleme bekommen könnte, kümmert sie kaum....Weitere Details zum Buch hier.

Bilder kann man hier sehen, eine Hörprobe ist hier zu finden und ein Gespräch mit dem Autor hier ....

Das Buch ist teilweise recht spannend und spiegelt recht gut die gefährliche Situation damals wider. Gefallen hat mir auch, dass zwei Karten die damalige Lage der Besetzung Frankreichs gut zeigen.

Erstaunlich finde ich, dass ein (sich selbst ernannter ?) Feingeist sich dermaßen echauffiert (Zitat): Marseille 1940 ist gekennzeichnet durch peinliche Distanzlosigkeit, Boulevardzeitungsstil und billige Knalleffekte. Man könnte das Buch rasch beiseitelegen, wenn es nicht einiges über die Art und Weise aussagte, wie mittlerweile in Deutschland mit Literatur umgegangen wird. So wird der Untertitel Die große Flucht der Literatur selbsterfülllende Prophezeiung dieses Buches, aus dem die Literatur geflohen ist. Der Autor spielt zu billig, offenbar hat er es auf einen Verkaufserfolg ohne jede Rücksicht abgesehen. Das Leiden und die Würde deutscher Exilanten hätten eine andere Form des Gedenkens verdient. In diesem Buch werden sie zum zweiten Mal exiliert. Er hat sich auch schon anderweitig über Niveaulosigkeit geäußert . Dort vielleicht zu Recht, aber hier etwas sehr verfehlt ....

Da sind die Rezensionen bei Perlentaucher doch versöhnlicher und man kann die Rechercheleistung nur loben: Uwe Wittstock zeichnet ein großes, bedrückendes Flüchtlingsdrama nach, empathisch und gelegentlich detailverliebt, aber schnörkellos und ohne Sentimentalität. Alles beruht auf Tatsachen, der Autor wertete Tagebücher, Autobiografien, Notizen, Korrespondenzen, Nachlässe, Interviews und Berichte aus.