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Utopia mit Illustrationen von Prechtl

 Habe mir aus dem Bücheregal herausgenommen: 

Utopia.

Ein wahrhaft kostbares und ebenso bekömmliches wie kurzweiliges Buch über die beste Staatsverfassung und die neue Insel Utopia. Verfasst von dem hochberühmten Thomas Morus. Ins Deutsche übersetzt von Gerhard Ritter.

Mit sechzehn zeitnahen Bildern von Michael Mathias Prechtl, Maler zu Nürnberg 


Der Text des Romans Utopia ist dort abgedruckt. Kann man lesen - die Zusammenfassung von Deutschlandfunk Kultur unter dem Titel "Possenreißers Insel-Narretei " möge hier genügen.

Für mich wertvoll sind die 16 Graphiken von Prechtl. Sehr guter Druck. Auf der Rückseite der Textimpuls aus dem Buch. Und auf wunderbare Weise dann im Bild -  teilweise verschlüsselt mit Bezug auf neuere Zeitverläufe - graphisch herrlich umgesetzt.


Zur Entschlüsselung sehr vorteilhaft die herausnehmbare achtseitige Beilage: "Thomas Morus betrachtet Michael Mathias Prechtls Bilder zu seiner 'Utopia'": Anmerkungen von Irving Fetscher mit Widersprüchen des Künstlers.

In meinem Blog Spuren habe ich mich in den letzten kalten Tagen außerdem beschäftigt mit :

Kerouac : Gammler, Zen und Hohe Berge

und 

Haarmann / Geschichte eines Werwolfs


Aya Jaff

 Sie war Teil der Scene und ist ausgestiegen. Jetzt gibt es das Buch " Broligarchie" von ihr.

Interview im Fluter: Oligarchie bedeutet Herrschaft von Wenigen. 2024 bezeichnete die britische Journalistin Carole Cadwalladr das Netzwerk von Tech-Milliardären, das sich Trump annäherte, als „Broligarchie“. Als Broligarchen gelten unter anderem Elon Musk (X, SpaceX, Tesla, Mitgründer von PayPal), Peter Thiel (Mitgründer von PayPal, Gründer von Palantir), Jeff Bezos (Amazon), Mark Zuckerberg (Meta – also Facebook, WhatsApp und Instagram) und Sam Altman (OpenAI).

Interview bei JacobinDie Barone dieser Industrie, wie Mark Zuckerberg von Meta oder Jeff Bezos von Amazon, sprechen oft von Innovation und ihrem Wunsch, mit ihren Technologien die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Der Megaloman Elon Musk behauptet gar, mit seinen Unternehmen die Menschheit retten zu wollen. Doch wie viel »Innovation« leisten sie wirklich? Wird unser Leben dadurch besser, wenn nun die vierte App in Folge unsere Smartphones mit KI-generierten Katzenvideos flutet? Zumal viele dieser Firmen, entgegen ihrem marktlibertären Selbstbild, zum Überleben auf staatliche Subventionen angewiesen sind – wäre es nicht sinnvoller, diese Instrumente den Händen einzelner »Tech Bros« zu entziehen und stattdessen dem Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen?

Auch bei Jacobin: Polemik gegen Melania .....Oh wie schrecklich!

Die amerikanische Mischpoke

 Momentan höre ich die Podcastreihe vom Deutschlandfunk : Die Peter Thiel Story . Sehr aufschlussreich, weil es in der Entwicklung schon 30 Jahre zurückgeht! Peter Thiel ist der Strippenzieher hinter dem kulturellen Rechtsruck in den USA und einer der wichtigsten Unterstützer von Donald Trump. Mit Paypal und Facebook ist er reich geworden. Das ist die Geschichte des geheimnisvollen Tech-Milliardärs.


Dort wird eine Frau erwähnt, die mit vielgelesenen philosophischen Romanen den Traum vom Aufstieg der Tüchtigen befeuerte : Ayn Rand (mir bis heute völlig unbekannt - lebte von 1905 - 1982 - Auflage 30 Millionen)

Näheres bei Radiowissen (2024) / deutschlandfunk kultur (2022) / Die Zeit Schweizer Monat ....

Guter Artikel bei Infosperber von 2018 (1.Amtszeit Trump) : Ayn Rand zu lesen, macht keinen Spass. Im Gegenteil. Es erstaunt, um nicht zu sagen, erschreckt einen – zumindest einen Europäer – zu lesen, was ein menschliches Wesen, eine Frau, imstande ist zu schreiben – und damit einen Riesenerfolg zu haben: Ethisch ist, wer nur seine eigenen Interessen vertritt. Wer die Interessen anderer vertritt, handelt unethisch. Nur Egoismus schafft Freiheit und Gerechtigkeit. Die USA sind das edelste Land der Menschheitsgeschichte, weil sie das Eigeninteresse zum einzig richtigen moralischen Prinzip erhoben haben. Usw. usw.

Und doch muss Ayn Rand zur Kenntnis genommen werden. Als Warnung. Ihre Botschaft wirkt nach, ist präsent, ist eine der Wurzeln des US-amerikanischen Denkens und Fühlens: Nur der Egoist ist ehrlich, nur das Eigeninteresse zählt, nur der Selfmademan, der, mit welchen Methoden auch immer, zum Milliardär geworden ist, ist ein wahrer Held. – Wir müssen, gerade auch in Europa, zur Kenntnis nehmen, was da noch auf uns zukommen kann. Der überhandnehmende Neoliberalismus ist nur der Vorbote. Und Donald Trumps bisherige Finanz-Entscheide zugunsten der Reichen und Superreichen bestätigen den Trend.
Und das Jahr 2025 hat die weitere Entwicklung gezeigt !!

Aktuell gibt es in der Mediathek eine Reihe über die Vordenker der Tech-Größen. Mit dabei eben Ayn Rand
Seit 2023 gibt es in Deutschland eine Ayn Rand Gesellschaft ..... Für die Leistungsträger 


ein Hammerbuch

 Hab ich geschenkt bekommen und jetzt fertig gelesen: Alle, außer mir


Hammer 1: 600 Seiten mit einer irren Geschichte. Francesca Melandri schickt in „Alle, außer mir“ ihre Hauptfigur auf die Suche nach der tabuisierten Vergangenheit ihres Vaters. Die 45-jährige Lehrerin Ilaria Profeti, engagiert, linksliberal, überzeugte Anti-Berlusconianerin und immer auf der richtigen Seite, findet im Sommer 2010 einen jungen Schwarzafrikaner vor ihrer Haustür, der behauptet, der Enkel ihres Vaters Attilio zu sein – ihr Neffe also. Attilio Profeti, hochbetagt und von Demenz gezeichnet, hatte immer so getan, als sei er im Widerstand gewesen.

Ilaria beginnt zu recherchieren und stellt fest, dass sie ihren Vater nicht kennt: Als Teilnehmer des äthiopischen Krieges und Wissenschaftler der Rassenkunde hatte er aus seinen Verstrickungen später Kapital für eine glänzende Karriere geschlagen. Um ihrem umfangreichen Roman einen Rhythmus zu geben, wechselt Melandri die Erzählperspektiven, führt mehrere Zeitebenen ein und entfaltet die Geschehnisse mal aus der Perspektive Ilarias, dann aus der des jungen Attilio, schließlich aus dem Blickwinkel von dessen Vater Ernani, einem Eisenbahner und etlichen anderen. Auch Attilios äthiopische Frau Abeba kommt zum Zuge.


Hammer 2: 1935/36 eroberte das faschistische Italien völkerrechtswidrig das ostafrikanische Kaiserreich Abessinien. (Ein mir noch unbekanntes Detail der Geschichte. Auch mit Mussolini hab ich mich noch nicht so beschäftigt ...) Dabei setzten die Angreifer Senfgas ein. Der Roman „Alle, außer mir“ reicht von den Grausamkeiten dieses Krieges bis in unsere Zeit. Der 1915 geborene Italiener Attilio Profeti, der 1935 zu den Invasoren gehörte, stirbt 2012. In den letzten Jahren konnte er sich wegen seiner Demenz an nichts mehr erinnern, und seine 45-jährige Tochter Ilaria, eine Lehrerin in Rom, findet erst nach und nach heraus, dass er ein Faschist gewesen war und in Äthiopien einen Sohn gezeugt hatte.

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Melandri-alle-ausser-mir.htm (c) Dieter Wunderlich

Kaiserreich Abessinien hier.
Italienischer Faschismus hier.
Mangelnde Aufarbeitung in Italien hier.
Interview mit der Autorin hier.


Dieser lange Roman hat auch seine Schwächen:  Manchmal hätte die Schriftstellerin vielleicht mehr auf die Wucht ihres Stoffes vertrauen können. Dass sie die Vorgeschichte von Mussolinis Marsch auf Rom aufarbeiten will und bis in die Verästelungen von Attilios Herkunftsfamilie zurückgeht, ist ehrenwert, lenkt aber von der Brisanz ihrer Grundidee ab. Die detailreich geschilderten Biographien des Vaters Ernani und der Mutter Viola sind ermüdend und verwässern die Schärfe der vorangegangenen Kapitel. Auch die Geschicke des Bruders Otello führen eher auf Nebenpfade. Manchmal kleistert Melandri ihre Figuren mit allgemeinen Psychologisierungen zu: Viola, vom Tod ihres ersten Verlobten gezeichnet, behandelt Mann und Erstgeborenen schnöde und projiziert ihren Narzissmus auf den Zweitgeborenen. Oder Marella, Attilios erste Ehefrau, mutterlos aufgewachsen, entwickelt aus übermäßiger Bedürftigkeit eine Beziehungsstörung. Das ist dann von allem zu viel: Der Spannungsbogen fällt ab, die Konstruktion gerät ins Wanken, die Handlung wird zäh und die auktoriale Erzählerstimme behäbig. Hier hätte man sich eine größere erzählerische Ökonomie gewünscht und ein reduzierteres Personal.

Trotzdem ein Hammerbuch ! Der Titel bezieht sich übrigens  auf Attilio Profetis Motto „alle, außer mir“: Der Opportunist ist überzeugt, dass immer nur andere vom Unglück betroffen sein würden.

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Melandri-alle-ausser-mir.htm (c) Dieter Wunderlich

neuer Wittstock

 Uschi hat mir dieses Buch zum Lesen dagelassen:

Schon mit der Lektüre von Illies hab ich mich mit dem Thema Flucht vor den Nazis beschäftigt. Jetzt ist Uwe Wittstock das Ganze etwas anders angegangen: 

Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Es ist das dramatischste Jahr der deutschen Literaturgeschichte. In Nizza lauscht Heinrich Mann bei Bombenalarm den Nachrichten von Radio London. Anna Seghers flieht mit ihren Kindern zu Fuß aus Paris. Lion Feuchtwanger sitzt in einem französischen Internierungslager gefangen, während die SS-Einheiten näher rücken. Sie alle geraten schließlich nach Marseille, um von dort einen Weg in die Freiheit zu suchen. Hier übergibt Walter Benjamin seinen letzten Essay an Hannah Arendt, bevor er zur Flucht über die Pyrenäen aufbricht. Hier kreuzen sich die Wege zahlreicher deutscher und österreichischer Schriftsteller, Intellektueller, Künstler. Und hier riskieren Varian Fry und seine Mitstreiter Leib und Leben, um die Verfolgten außer Landes zu schmuggeln.

Wittstock entwickelt am Anfang mehrere, zeitlich parallele Erzählstränge aus unterschiedlichen Orten. Da ist der aristokratische Lion Feuchtwanger mit seiner Frau, die umtriebige Grande Dame Alma Mahler-Werfel mit ihrem manchmal unpraktischen Ehemann Franz Werfel, der eher kränkliche Heinrich Mann mit seiner peinlichen Frau Nelly, der agile tschechische Staatsbürger Golo Mann, der unbedingt gegen Hitler kämpfen möchte und daher sein Refugium in der Schweiz aufgibt, um in einer wahren Odyssee durch Frankreich zu stolpern (inklusive Lageraufenthalt). Es gibt den »rührend unbeholfene[n]« Walter Benjamin, der seine Tasche mit Manuskripten für wertvoller erachtet als sein Leben und zwischenzeitlich mit Hannah Arendt in Lourdes Schach spielt. Man bekommt Einblicke auf den labilen Walter Mehring und seiner stabileren Freundin, der Schauspielerin und Literaturagentin Hertha Pauli. Da ist das Kommunistenehepaar Fittko, der kraft- und mutlose Ernst Weiß, der sich aus Verzweiflung umbringen wird und eine resolute Anna Seghers, mit ihren Kindern hin- und herirrend zwischen Paris, der französischen Provinz und Marseille. Später kommen die Schicksale von Max Ernst, André Breton, Alfred Kantorowicz noch dazu. Man lernt die die junge Erbin und Lebedame Mary Jayne Gold kennen, die als Geldgeberin nicht unwichtig werden wird wie auch Peggy Guggenheim. Letztere nutzt zunächst einmal die Gunst der Stunde: Der scheinbar unaufhaltsame Vormarsch der Nazis auf Paris veranlasst etliche Künstler so schnell wie möglich zu fliehen. Guggenheim fährt mit gut gefüllter Geldbörse die Ateliers ab und kauft auf diese Weise binnen kurzer Zeit »großartige Werke zu Spottpreisen«. Dass sie selber Jüdin ist und mit den im Laufe der Zeit immer restriktiveren Gesetzen Probleme bekommen könnte, kümmert sie kaum....Weitere Details zum Buch hier.

Bilder kann man hier sehen, eine Hörprobe ist hier zu finden und ein Gespräch mit dem Autor hier ....

Das Buch ist teilweise recht spannend und spiegelt recht gut die gefährliche Situation damals wider. Gefallen hat mir auch, dass zwei Karten die damalige Lage der Besetzung Frankreichs gut zeigen.

Erstaunlich finde ich, dass ein (sich selbst ernannter ?) Feingeist sich dermaßen echauffiert (Zitat): Marseille 1940 ist gekennzeichnet durch peinliche Distanzlosigkeit, Boulevardzeitungsstil und billige Knalleffekte. Man könnte das Buch rasch beiseitelegen, wenn es nicht einiges über die Art und Weise aussagte, wie mittlerweile in Deutschland mit Literatur umgegangen wird. So wird der Untertitel Die große Flucht der Literatur selbsterfülllende Prophezeiung dieses Buches, aus dem die Literatur geflohen ist. Der Autor spielt zu billig, offenbar hat er es auf einen Verkaufserfolg ohne jede Rücksicht abgesehen. Das Leiden und die Würde deutscher Exilanten hätten eine andere Form des Gedenkens verdient. In diesem Buch werden sie zum zweiten Mal exiliert. Er hat sich auch schon anderweitig über Niveaulosigkeit geäußert . Dort vielleicht zu Recht, aber hier etwas sehr verfehlt ....

Da sind die Rezensionen bei Perlentaucher doch versöhnlicher und man kann die Rechercheleistung nur loben: Uwe Wittstock zeichnet ein großes, bedrückendes Flüchtlingsdrama nach, empathisch und gelegentlich detailverliebt, aber schnörkellos und ohne Sentimentalität. Alles beruht auf Tatsachen, der Autor wertete Tagebücher, Autobiografien, Notizen, Korrespondenzen, Nachlässe, Interviews und Berichte aus.


Buch: Im Grunde gut

Nach dieser guten Podcast-Sendung hab ich mir das Buch "Im Grunde gut" selbst geschenkt.


Lässt sich gut lesen. Der Historiker Rutger Bregmann ist Utopist, der sich selbst als Realist bezeichnet. (Hier Interview aus 2017)

In Anbetracht der Weltlage hat mich das Buch sehr beschäftigt. Im Blog Spuren hab ich einige Rezessionen und Gedanken versucht zusammenzufassen.

Resümee: Die meisten Menschen, die ich persönlich kenne (auch WählerInnen der AFD) sind im Grunde gut. Es zeigt sich aber auch im näheren Umfeld, dass Ideologie, Neid, Gerechtigkeitsgefühle u.a. recht schnell in vorschnelle Urteile und ausgrenzende Handlungen umschlagen können.
Da ich mehr Einzelgänger bin, gibt es für mich wenig Gelegenheit außerhalb der Familie kooperatives Verhalten zu praktizieren. Habe mir vorgenommen etwas freundlicher zu sein ...
Bregman zeigt sehr gut auf, dass ein wesentliches Moment gedeihlichen gesellschaftlichen Zusammenlebens das Vorhandensein von Scham ist.
Und da zeigt sowohl im Kleinen als auch im großen Machtapparat, dass die Schamlosigkeit recht weit verbreitet ist. Man muss nicht zum Zyniker werden - aber ein gewisses Gefühl von Ohnmacht und Ausgegrenztsein stellt sich dann doch ein ....

Schirach - neues Buch

 Habe ich geschenkt bekommen. Hätte ich mir für 22 Euro / 172 Seiten / große Schrift nicht gekauft ...

 
Mit klarer Sprache und großbürgerlichem, intellektuellem und selbstbezogenem Habitus ( was hab ich schon alles gelesen / wo war ich weltweit schon überall / welch interessante Menschen kenne ich ) sind hier 14 (Geschichten / Erzählungen / Essays ? ) von Schirach aufgeschrieben. 

Was für ein Sammelsurium an Geschichten, Anekdoten, Novellen, Porträts etc.!  Wie schon in den vorherigen Erzählbänden, so mischt Ferdinand von Schirach auch hier wieder unterschiedliche Textsorten mit ebenso fleißig wechselnden Inhalten. Wie zuvor auch, so ist auch in „Derstille Freund“ der Ton oft melancholisch, wie schon öfter festgestellt dominiert auch hier wieder dieser kosmopolitische Zeigegestus: Seht her, ich war schon überall, aber jetzt auch noch in Namibia, Kapstadt, Wien, Florenz, wo einige der neuen Geschichten spielen. Sei’s drum.Trotzdem worum geht es Ferdinand von Schirach eigentlich bei all diesen so heterogenen Erzählstücken? Geht es ihm um Aufklärung, geht es ihm um Unterhaltung, geht es ihm um Thrill? – Ja, auch das fragt man sich bei manch einer seiner Miniaturen. Der kleinste gemeinsame Sinn ist wohl der, dass es ihm vor allem um den eigenen Blick auf die Welt geht. So bleibt am Ende der Lektüre von „Der stille Freund“ der Eindruck einer erzählerischen Wundertüte, in der Nieten und Gewinne recht gleichmäßig verteilt sind und somit die reelle Chance besteht, wenigstens zur Hälfte von diesem Buch angetan zu sein. Das ist ja dann auch schon was.

https://www.sr.de/sr/srkultur/home/aktuelles/20250826_ferdinand_von_schirach_der_stille_freund_100.html

Ich kenne Schirach nur von der recht gut gemachten Krimireihe Schuld. Habe das Büchlein in einem Zug durchgelesen und werde es bei Gelegenheit wieder mal zur Hand nehmen... 

Ist der Mensch im Grunde gut oder schlecht ?

Ist der Mensch im Grunde gut oder schlecht? Eine Frage, die nicht nur die Philosophie seit Jahrhunderten beschäftigt. Letztlich dient ihre Beantwortung immer auch der Legitimation von Macht. Muss man den Mensch mit Regeln zähmen oder ihm Gelegenheit geben sein grundsätzlich kooperatives Wesen entfalten zu können?
Dazu habe ich bei Radio Wissen eine sehr gute Sendung entdeckt ....

Das Manuskript der Sendung kann man hier herunterladen ...

Erwähnt werden 3 interessante Bücher:

Bregman, Rutger: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit. Hamburg [Rowohlt Verlag] 2020. Ein spannendes Plädoyer für eine positive Sicht auf den Menschen, untermauert mit einer Vielzahl an Studien aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Bereichen.

Haller, Reinhard: Das Böse. Die Psychologie der menschlichen Destruktivität. Salzburg [Ecowin] 2019. Ein aufschlussreiches Buch des gefragten Gerichtspsychiaters Haller über die Zusammenhänge, die zu exzessiver Gewalt bei Schwerstverbrechern führen können.

Hare, Brian & Woods, Vanessa: The Survival of the Friendliest. Understanding Our Origins and Rediscovering Our Common. [Oneworld Publications] 2020. Eine verblüffende Theorie über die Selbst-Domestizierung des Homo Sapiens, die seiner Spezies das Überleben sicherte, ein neuer Blick auf unsere Wurzeln.

Haller setzt unterschiedliche Theorien über das Böse in Bezug zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Biologie, Theologie, Genforschung und Psychiatrie. Die Ursachen sind vielfältig: Milieu, Kindheitstrauma, soziale Tragödien, falsche Freunde, Alkohol, Drogen, vor allem aber Kränkungen. (Letzteres könnte eine Erklärung für die verbrecherische Ader von Putin sein)

Eine weitere interessante Sendung hab ich auch entdeckt: „Einstellung: Unparteiisch!“ Karl Valentin und die Politik // Viele seiner berühmtesten Stücke sind in finsteren Zeiten entstanden, zwischen 1933 und 45. Nicht nur Bert Brecht hat Karl Valentin verehrt, sondern auch Adolf Hitler. Wie unschuldig ist das Werk von Bayerns großem Komiker?

ein älterer Ransmayr

 Vor einiger Zeit hab ich aus dem offenen Bücherschrank des Dorfcafés in Simonshofen ein älteres Buch eines meiner Lieblingsschriftsteller mitgenommen:

In den letzten Regentagen hab ich es gelesen:(Inhalt Wiki) Morbus Kitahara: Ein Roman aus einer düsteren Welt, die nur zu ertragen ist durch die Sprachgewalt der Bilder, die der Autor entwirft.(Im Spiegel: Christoph Ransmayr, der Nachgeborene, hat etwas schier Aussichtsloses gewagt, und es ist ihm mit gestalterischer Kraft und erzählerischer Bedachtsamkeit geglückt - falls von glücken in diesem Zusammenhang überhaupt zu reden ist: Er erzählt noch einmal vom entfesselten Krieg, der scheinbar zum Stillstand gekommen ist, von den gigantischen Greueln und Alpträumen. Und er erzählt das bis zur Unkenntlichkeit Bekannte wie neu, wie zum erstenmal: mit einer das Mythologische streifenden Konzentration auf wenige Personen und in einer fesselnden, alles historisch Fixierte umwendenden Prosa.) Auf der Wunderlich Seite gibt es weitere Informationen ....

Wackelkontakt

 Momentan ist Lesewetter. Fast herbstlich... Habe mir nochmal den neuen Roman von Wolf Haas mit dem Titel Wackelkontakt vorgenommen und wieder sehr schnell gelesen. Mir gefällt es ...

Hier ein Interview ... Einige seiner Brennerkrimis habe ich auch schon gelesen ...

Erich Fromm u.a.

 Habe mit Mühe und vielen Pausen ein Geschenk gelesen: Michael Hampe "Wozu? Eine Philosophie der Zwecklosigkeit" -- Laaangweilig !! Wahrscheinlich war es eine Empfehlung des Philosophie Magazins ... Der Schenker hat es zwar auch gelesen, konnte sich aber inhaltlich nicht mehr erinnern. Ein fruchtbares Gespräch konnte so nicht stattfinden ...

Ganz anders: Erich Fromm // Mit Eifer hatte ich in der Studentenzeit gelesen "Die Kunst des Liebens". Später als Junglehrer "Haben oder Sein". Hat mich sehr beeinflusst und in meiner Haltung der Konsumkritik bestätigt. Und dieses Buch ist immer noch aktuell (und verständlich geschrieben). 


Dazu habe ich vor Kurzem einen guten Podcast gehört: Erich Fromm und die Kunst des Lebens. Hier noch ein Gespräch 1977:

Ein weiteres Gespräch von 1979 gibt es hier...

Vom SWR gibt es eine Menge interessante Podcasts zu Biographien und Ereignissen..


1984

 Vor kurzen hab ich im Podcast des BR als Hörbuch 1984 von George Orwell mit Grusel erlebt (gelesen von Christian Brückner). Vor 75 Jahren gestorben und in Zeiten von Trump, Putin und Xi Jinping u.a. sehr aktuell.

Der "Salonkolumnist" Bernd Rheinberg hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht: In Orwells Welt. Deutschlandfunk Kultur hat schon 2019 getitelt: 70 Jahre „1984“ George Orwells Dystopie – aktuell und übertroffen. Die Sendung kann man sich noch herunterladen .... Wer in der DDR mit dem Roman "1984" erwischt wurde, hatte mit schweren Zuchthausstrafen zu rechnen! Es gibt auch noch ein Hörspiel 1984 beim BR zum Herunterladen ....

Peter Bichsel

 Kurz vor seinem 90.Geburtstag ist Peter Bichsel in einem Pflegeheim verstorben.

das war 2010
In einem Hörbuch kann man zwei seiner kurzen Geschichten verfolgen. Er war auch ein politischer Mensch. Und ein ehrenwerter Kollege:

Bichsel kam 1935 in Luzern zur Welt, er wuchs in Olten auf und besuchte in Solothurn das Lehrerseminar. Anschließend wirkte er von 1955 bis 1968 in der Region Solothurn als Primarlehrer, "aus Überzeugung", wie er einmal schrieb. "Ich wollte der Menschheit etwas beibringen, ich wollte die Menschheit verändern." Wie wichtig gerade eine Lehrperson sein kann, hat er selbst erfahren. Seine Erweckung zum Schriftsteller verdankte er, wie er später immer wieder betont hat, seinem Lehrer Kurt Hasler. Er wäre kaum Schriftsteller geworden, schreibt er, wenn dieser nicht "unter dem Schutt von dreißig Rechtschreibfehlern" sein Talent entdeckt hätte. Nicht zuletzt wegen dieser Erfahrung hat er sich immer wieder mit der Rolle des Lehrers und mit der chancengerechten Schule befasst. (aus Der Standard)


Ein neuer Haas

 Gestern mit Vergnügen fast non-stop durchgelesen den neuen Roman von Wolf Haas.


Hier noch eine Rezension beim WDR .

Entdeckt : Die CSU/CDU - Mannschaft freut sich auf die neue Normalität ....


Literatur 25/2 und Wahlnotiz 25/2

 Jetzt das dickste Geschenkebuch gelesen:



Die Vorgeschichte des Romans kann man hier ausführlicher nachlesen ... Kurz: Basiert auf einem Episodenroman, den Jan Weiler im Auftrag der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) geschrieben hat. "Die Summe aller Frauen" hieß dieser - soll meinen, dass ein Mann das Ergebnis der Frauen in seinem Leben sei. Der  Roman "Munk" ist eine ausführlichere Version dieser ehemaligen Wochenend-Essays. 
Lässt sich angenehm lesen. Der Schluss ist verblüffend:
Zitat Weiler: Das Vergnügen besteht einfach darin, noch mal alles auf links zu drehen, Erwartungen zu übertreffen und mit den Überraschungen vielleicht auch die Erkenntnisse der vorangegangenen Erzählung zu konterkarieren.
Rezensionen sind sehr verschieden: 
Aus der WAZ:Nicht nur Marcel Reich-Ranicki würde fragen, warum einen dieser Mensch interessieren sollte. Diese Kalamitäten und harmlosen Widrigkeiten eines gut ausgepolsterten Lebens. Und ein anderer Sachverständiger aus der Fernseh-Unterhaltung würde einwerfen: „Drama, Baby, Drama!“ Zwischendurch gelingen Jan Weiler immer wieder kleine Scherze, mittelgroße Satiren und zärtliche Ironien. Aber auf die Dauer ist das zu wenig, um mit Freude umzublättern. (Mir hat es genügt ...)
Beim WDR (Christine Westermann): Munk macht eine Liste mit den Frauen seines Lebens. Sie beginnt mit Nadja, es folgen Judith, Nicole, Ana, Maja und irgendwann verliert man beim Lesen den Überblick, was einem aber herzlich egal sein kann. Weil die Geschichten fein erzählt sind, mit gutem Humor und angenehmer Nachdenklichkeit.
Kein lahmes Beziehungsgeschwätz und immer genug Drama, um sich nicht eine Sekunde zu langweilen. Ein Roman, der im besten Sinne unterhaltend ist, weil Jan Weiler mit Sprache umgehen kann.

Fundsache zur Wahl:

MarcelFratzscher, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hat die Versprechungen der Parteien für die Augsburger Allgemeine Zeitung unter die Lupe genommen und sagt: "Was mich schockiert, ist, dass die Parteien die Wähler und die Wählerinnen hinters Licht führen wollen."

Die FDP kündigt 138 Milliarden Euro Steuerentlastungen vor allem für Spitzenverdiener an, die Union 99 Milliarden, die Grünen 48 Milliarden und die SPD 30 Milliarden Euro. Deutschland, so Fraztscher, brauche aber jährlich zusätzliche Investitionen von 40 Milliarden Euro in Straßen, Schienen, Brücken und Schulen sowie 30 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für die Bundeswehr.

"Diese großen Beträge können nicht aus den laufenden Ausgaben herausgespart werden", sagt der Ökonom und betont, dass die Wahlversprechen der Parteien "so extrem wie noch nie" seien.

Literatur 25 / 1 und Wahlnotiz 25/1

 Zu meinem Geburtstag hat man mir einige Bücher geschenkt. Hab jetzt erst mal das dünnste gelesen ...


Hintergrund ist, dass Charly Hübner, den ich eher als Kommissar beim Polizeiruf 110 kenne, ein Hörbuch eingelesen hat zur Buchreihe von Uwe Johnson (verst.84) mit dem Titel "Jahrestage". Schon länger beschäftigt er sich sehr viel mit dem Autor und macht hier den Versuch ihn zu erklären. Außerdem greift er dabei auch aktuelle Ereignisse auf.(Hier ein kurzer NDR-Beitrag zu Johnson und interessanter Ausschnitt der Hörbuchaufnahmen mit Caren Miosga). Uwe Johnson habe ich noch nicht gelesen und werde ihn wahrscheinlich auch nicht lesen (zu kompliziert). Hübner ist offensichtlich fasziniert von Johnsons Werk. Es spiegelt viele Facetten der Welt, die Hübner in anderen und ähnlichen Zusammenhängen erlebt hat (hier bei Ringlstetter). Mir hat das Büchlein einige neue Aspekte gezeigt und als Tipp bleibt:

 »Charly Hübners Buch ist der grossartig lustvolle Versuch, noch einmal ganz neu zu lesen, so etwas wie gespannte Gelassenheit bei der Lektüre zuzulassen. Am besten sei es, seine Romane so langsam zu lesen, wie er sie geschrieben habe, hat Uwe Johnson einmal gesagt. Mit Charly Hübner kann man das lernen.« ("Neue Zürcher Zeitung")

Notiz 1 zur anstehenden BundestagswahlSieben Punkte zur Rettung der SPD - Salonkolumnisten

Sollte ich Klingbeil ( der Kommende ?) vielleicht  mal zukommen lassen ....

Rafik Schami

 Die Ereignisse in Syrien haben Erinnerungen wachgerufen. In meiner aktiven Zeit als Lehrer habe ich mit einer Hauptschulklasse eine Klassenlektüre durchgenommen, die in Damaskus spielte: Eine Hand voller Sterne. Mir hat das Buch sehr gefallen und wir haben dem Autor Rafik Schami einen Dankesbrief geschrieben. Wir haben nichts mehr von ihm gehört, aber auf einer späteren Lesung in Erlangen hat er ausführlich über den Bürgerkrieg in Syrien berichtet. 

In einem Interview des WDR äußert er sich ausführlich zu seinem Buch " Die geheime Mission des Kardinals" . Er ist ein Sprachkünstler und berichtet in einem Interview über seine Begegnungen mit der deutschen Sprache. Werde wieder was lesen von ihm: Vielleicht das ....

Parallelen in Thüringen ??

 Heute früh in den Blättern sehr interessiert gelesen : Generalprobe in Thüringen  -- Wie die NSDAP 1930 die Zerstörung der Demokratie übte 

Der Artikel beruht auf dem Buch des Autors:

Wenn man die Bestrebungen von "Bernd" Höcke und des angeblich aufgelösten Flügels mit völkisch-nationalen Sprech verfolgt, dann lassen sich sehr wohl Parallelen entdecken, die erschrecken lassen ...

Der amerikanische Patient

 Warum ist die Gesellschaft der USA so gespalten ? Eine Antwort versucht der Autor dieses Buchs zu geben:


Eine Zusammenfassung des Inhalts lässt sich in aller Kürze hier nachlesen. Sehr schlüssig....

Arznei gegen die Sterblichkeit

 Nochmal gelesen: Die kleinen Erzählungen von Christoph Ransmayr 

In der Erzählung "Das Mädchen mit dem gelben Kleid" bringt Ransmayr sehr gut auf den Punkt: Unser Reichtum geht auf die Ausnutzung anderer Kontinente zurück. Und das mit erzählerischem Geschick. Diese Geschichte geht mir nach. Wusste nicht, dass heute noch in Belgien Denkmäler dieses Schlächters Leopold II stehen - und hoffentlich bald abgebaut werden.